Klima- & Energieziele

 Der Klimawandel ist angekommen – auch im Burgenland! Sollten Treibhausgase weiterhin ungebremst emittiert werden, kommt es zu Veränderungen verheerenden Ausmaßes. Bis 2050 würde die Jahresdurchschnittstemperatur im Burgenland um weitere +1,3 Grad Celsius bis +1,5 Grad Celsius steigen – bis zum Ende des Jahrhunderts möglicherweise sogar um bis zu +3,8 Grad Celsius. Die bisher durchschnittlich auftretenden 10,1 Hitzetage im Jahr würden sich in naher Zukunft verdoppeln, längerfristig könnten es bis zu 42 Tage sein.

Der Klimawandel könnte vielfältige Veränderungen in unterschiedlichen Bereichen zur Folge haben:

  • Belastungen der menschlichen Gesundheit
    Der Anstieg der Temperaturen und damit verbunden der Hitzetage bedeutet nicht nur eine Minderung der Lebensqualität, sondern kann eine deutliche Steigerung der hitzebedingten Todesfälle mit sich bringen (die pessimistischsten Modelle zeigen eine Verzehnfachung bis 2065). Hitzeperioden werden in der Zukunft das Gesundheitssystem zusätzlich beeinträchtigen.
  • Beeinträchtigung der Bodenfruchtbarkeit und Bodenfunktion
    Änderungen klimatischer Bedingungen, gemeinsam mit dem hohen Trend zu Bodenversiegelungen, beeinflussen Qualität und Vielfalt der Böden maßgeblich – mehr als 74 Prozent der burgenländischen Landesfläche sind landwirtschaftliche Betriebsflächen.
  • Zunahme von Ernteverlusten in der Landwirtschaft und Zunahme der zu bewässernden Flächen
    Aufgrund steigender Temperaturen wird die Vegetationsperiode im Burgenland länger. Bei ausreichender Wasserversorgung kann dadurch der landwirtschaftliche Ertrag zunehmen. Vor allem im nördlichen und südlichen Burgenland ist allerdings aufgrund von Austrocknung mit Ernteverlusten zu rechnen.
  • Ausbreitung von heimischen und neuen Schädlingen
    Steigende Temperaturen können sich positiv auf Burgenlands Weinbaugebiete auswirken. Bereits in den letzten 20 Jahren traten Austrieb, Blüte und Reife der Reben 10 bis 20 Tage früher ein. Das Auftreten neuer sowie die Ausbildung mehrerer Generationen heimischer Schädlinge (z. B. dritte Generation des Traubenwicklers) stellt für den Weinbau eine Herausforderung dar. Im Burgenland konnte bereits die aus Amerika eingeschleppte Rebzikade Fuß fassen, die Überträger einer Vergilbungskrankheit an Rebstöcken ist.
  • Gefährdung von Ökosystemen / Veränderung der Nährstoffzusammensetzung und Biodiversität von Seen
    Das Ökosystem Neusiedler See steht durch Temperatur- und Niederschlagsänderung unter Druck. Zwar gehört periodisches Austrocknen zu den Charakteristiken des Steppensees, doch kann die Wasserfläche durch eine Reihe aufeinanderfolgender heißer und trockener Jahre vollständig austrocknen – mit erheblichen ökonomischen und ökologischen Konsequenzen. In den letzten drei Jahrzenten nahm die Wassertemperatur bereits deutlich zu, was unvorhersehbare Auswirkungen auf die Sauerstoffkonzentration und das Wachstum der Lebewesen im See haben kann.
  • Zunahme der Hochwassergefahr
    Im Alpenvorland des südlichen Burgenlands kann es vermehrt zu Hochwasserereignissen kommen. Das Hochwasserrisiko steigt vor allem im Winter durch zunehmende Niederschläge und einen geringeren Rückhalt von Niederschlägen in Form von Schnee. Insbesondere die Lafnitz ist betroffen.

Um noch stärkere Auswirkungen des Klimawandels auf ein erträgliches Maß zu begrenzen, müssen wir eine massive Reduktion der Treibhausgasemissionen anstreben. Dabei bekennt sich die burgenländische Klima- und Energiepolitik vollinhaltlich zu den internationalen und europäischen Klimazielen. Die Klima- und Energiestrategie flankiert und ergänzt die Vorgaben der Klimapolitik von EU und Bund mit den rechtlich verfügbaren Mitteln des Burgenlands und enthält viele Maßnahmen, die die Umsetzung der Klimaschutzpolitik der Bundesebene im Burgenland erleichtern sollen.

Im Klimaabkommen von Paris einigten sich 195 Staaten auf ein verbindliches Abkommen zum Klimaschutz. Demnach soll die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius, möglichst auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden. Das Abkommen wurde mittlerweile von sehr vielen Staaten ratifiziert, auch von Österreich, und trat im November 2016 in Kraft. Für die Umsetzung des Ziels, bis 2050 eine CO2-neutrale Welt zu erreichen, sind ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen aller Staaten notwendig. Um die Erfüllung des Langfristziels zu sichern, findet alle fünf Jahre eine Überprüfung und Verschärfung der Pläne und Maßnahmen statt.
Die Europäische Union (EU) strebt die langfristige Senkung der Emissionen um 80 bis 95 Prozent bis 2050 an. Ausgehend vom Klima- und Energiepaket 2020 der EU, in dem die sogenannten „20-20-20-Ziele“ verbindlich gesetzt wurden – d.h. bis ins Jahr 2020 20 Prozent Treibhausgasminderung gegenüber 1990, ein Anteil von 20 Prozent Erneuerbare Energien und die Steigerung der Energieeffizienz um 20 Prozent – wurden im Vorjahr von der EU ergänzend mittelfristige Ziele bis 2030 beschlossen:

  • Senkung der Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent (gegenüber 1990)
  • Steigerung der Energieeffizienz um 32,5 Prozent
  • Anteil erneuerbarer Energiequellen am Bruttoendenergieverbrauch von 32 Prozent

In Österreich wurde im Mai 2018 die österreichische Klima- und Energiestrategie (#mission 2030) durch die österreichische Bundesregierung verabschiedet. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen um 36 Prozent gegenüber 2005 zurückgehen. Vor allem beim Verkehr und bei der Erzeugung von Wärme und Strom sollen Anreize gesetzt werden.

Die wichtigsten Ziele der #mission2030 im Überblick:

  • bis 2030:

    • Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern (momentan 72 Prozent)
    • Anteil der erneuerbaren Energieträger am Gesamtenergiebedarf 45 bis 50 Prozent (momentan 35 Prozent)

  • Bis 2050:

    • Erzeugung von Wärme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern (Unter anderem sollen in den nächsten 20 bis 30 Jahren Ölheizungen gänzlich aus dem Wärmemarkt verdrängt werden.)
    • Fossil-freie Mobilität

  • Anhebung der Sanierungsrate von Gebäuden auf zwei Prozent (momentan unter einem Prozent)